Blockflöte des Todes

 

Stadtteiltreff: 17:00 Uhr
Essen: 19:00 Uhr
Konzert: 21:00 Uhr
Eintritt: VVK 11,50 €, AK 13 €


Blockflöte des Todes

Als Blockflöte des Todes Mastermind Matthias Schrei die ersten paar Zeilen für sein inzwischen fünftes Album geschrieben hatte, sagte er zu seiner Frau: “Du, ich glaube, ich mache jetzt was mit Gehalt”. Die freute sich und fragte, was für einen Job er sich denn suchen wolle. Aber Schrei hat lieber seine Platte fertig gemacht und schon beim ersten Lied wird einem warm ums Herz. Eine butterweiche Gitarre spielt fragile Töne und die sonst so böse Blockflöte singt vom Zusammenleben mit seiner frisch geborenen Tochter. Eine Bratsche gesellt sich dazu und wird nach wenigen Takten von zwei Violinen unterstützt. “Mach was du willst, du sollst ja alles probieren – nur bitte später nicht BWL studieren.” Schreis Sprache ist erfrischend direkt und schnörkellos; die Bilder stecken nicht in den Worten, sondern entstehen im Kopf. Überhaupt wirkt die Blockföte erwachsener, seine Alltagsbeobachtungen sind noch feiner geworden, noch ehrlicher. „Passiert nicht oft, dass wir uns streiten. Dazu haben wir zu viele Gemeinsamkeiten, zum Beispiel gemeinsame Schulden. Manchmal frag’ ich mich ob wir uns nur deswegen noch erdulden.“

Das soll aber nicht heißen, die Flöte sei gar nicht mehr albern und verspielt. Nach dem ersten Hören des Albums wird es nahezu unmöglich, ohrwurmfrei an der Obstauslage im Supermarkt vorbei zu gehen. „Mampfe Mango mit mir! Mango, Mango die ganze Nacht.“ Meistens befindet sich Schrei auf dem schmalen Grat zwischen blödsinnig und tiefgründig. Bei „I kissed a boy“ verweist er charmant auf die leider immer noch zahlreich vorhandenen homophoben Spinner hierzulande und gipfelt in „Bart auf Bart und trotzdem zart“.

Aber es wäre verkehrt, dieses Album nur textlich zu besprechen. Mit seiner Begleitband, bestehend aus Paul Fischer (Schlagzeug), Torsten Wiegel (Bass) und Jo Barnickel (Rhodes E-Piano), schuf Schrei ein musikalisches Potpourri, welches sich von jazzigem Country über Salsa und HipHop zu melodischem Noise erstreckt. Als ganz besondere Farbtupfen gibt es hier und da weibliche Gaststimmen, zum Beispiel ein Duett mit der Hamburger Soul Sängerin Miu oder Bababahs von Larissa Pesch (LAING, Machete). Die Arrangements sind liebevoll verspielt, der Sound warm und natürlich. Für letzteren sorgte übrigens Tonmeister Manuel Doerr, welcher eher für Jazz- und Klassikaufnahmen bekannt ist.

Fifty Shades Of Earl Grey macht Lust auf Tee und mal wieder aufmerksam Musik genießen. Wer gerade keinen Plattenspieler zur Hand hat, dem sei die digitale Variante ans Herz gelegt. Die ist nämlich für den audiophilen Wohlfühlfaktor direkt vom Vinyl in Einsen und Nullen gewandelt worden*. Zum Schluss singt Schrei noch ein rührendes Schlafied, das er für seine Tochter geschrieben hat. „Bitte schlaf jetzt ein, damit ich hier nicht länger sitz’ – deine Mama hat gesagt, sie war’ grad spitz.“ Wahrscheinlich können das alle Eltern nachvollziehen. ALLE.