La Petite Mort/Little Death + rahel&zooey
La Petite Mort / Little Death bewegen sich intuitiv im Dazwischen. Mit DISCO II legen sie ihr bislang zugänglichstes Album vor – eines, das die Koordinaten zwischen Sasscore, Screamopop und Math Rock nicht bündelt, sondern bewusst noch weiter auffächert. Das zweite Album der in Frankfurt und Köln beheimateten Band erzählt vom Erwachsenwerden in und vom Herauswachsen aus DIY-Szenen, die heute oft nur noch als Echo fortbestehen: von der Screamo- und Hardcore-Sozialisation der Nullerjahre, von Sad-Boy-Ästhetik, performativer Sensibilität und den Reibungen, die entstehen, wenn Queerness auf Räume trifft, die sich zwar progressiv geben, aber häufig eng begrenzt bleiben.
DISCO II verweigert sich bewusst dem Zynismus. Statt abzurechnen, geht es um Nähe, Gemeinschaft und die fragilen Verbindungen, die bei Konzerten entstehen können. Musik wird hier nicht seziert, sondern geteilt – als Moment, Bewegung und Erfahrung. LPM lachen, stolpern, umarmen sich und tragen ihre Brüche offen nach außen.
Aufgenommen wurde das Album innerhalb von zehn Tagen mit Magnus Wichmann (Blond, Leoniden, Neonschwarz) in den Echolux Studios in Leipzig. Die Produktion verbindet No-Wave- und Hyperpop-Texturen mit der körperlichen Direktheit von Post-Hardcore und Dance-Punk. Abstrakte und greifbare Elemente greifen ineinander; Räume öffnen sich, nur um kurz darauf wieder in sich zusammenzufallen. Die Drums wechseln zwischen Samples, Metall und Fellen. Die Gitarren pendeln zwischen hypernervösem Math Rock im Geiste von The Blood Brothers, bittersüßem Slowcore à la The Van Pelt und gewaltigen Skramz-Wänden, wie man sie von Birds in Row kennt. Der Bass, gespielt von Paul, bewegt sich zwischen melodischem Vorwärtsdrang und Gegenbewegung und gibt der gesamten Achterbahnfahrt Halt.
Songs wie „Die Welle war mein Leben“ verwandeln sich frei durch Brüche und Szenenwechsel, bevor sie in einer bittersüßen, klingelnden Coda auslaufen. Sänger und Gitarrist Steffen katapultiert sich dabei überzeugend in die Liga von Cedric Bixler-Zavala von At the Drive-In. „L’Envie de Plonger“ beginnt mit einem knurrenden Bass und einem hypnotischen Fluss aus einzelnen Tönen. Ein treibender Beat bereitet den Boden für Gastsängerin Zooey Agros von 13 Year Cicada, deren lässig vorgetragene Vocals über den Song gleiten. Bass, Beats, Stakkato-Attacken und Synthesizer verdichten sich zu einem engen Geflecht – Loop- und Texturmagie, bei der selbst Juana Molina anerkennend nicken könnte.
„Sirenhead“ wirkt zunächst wie der niedlichste Song der Welt, getragen von stolpernden Lo-Fi-Drums, bevor Schlagzeuger Jan ihn mithilfe von Rototoms in manische Gefilde steuert. Treibend, chaotisch, frei und zugleich präzise. Ein großer Spaß.
DISCO II lässt uns euphorisch und schwindelig zurück, angesteckt von der reinen Freude am Spielen. DISCO II ist keine Einladung zur Analyse, sondern eine Einladung zur Party. Wie wir dorthin kommen? „Ich werde versuchen, laut zu sagen: Wir finden das heraus. Mit dir.“
– Text von Sebastian Lessel
rahel&zooey sind ein in Berlin ansässiges Duo, das mit Synthesizern, Samplern und Gitarre arbeitet.
Seit ihrer Begegnung vor einigen Jahren haben sie ihr Setup für jedes Konzert neu zusammengestellt und ihren Sound immer wieder verändert. Eine Konstante blieb dabei: Sie singen stets im Unisono. Das Ergebnis ist seidig, noisy, unbekannt und verspielt.
Aus diesem offenen Experimentierfeld entstand ihr Debütalbum „wait“, das im März 2025 auf dem Berner Label unvague erschien.
Neben ihrer Arbeit als Duo haben rahel&zooey die Kollaborationsreihe „rahel&zooey x“ ins Leben gerufen. Die erste Veröffentlichung der Reihe war „MAN-BER“, entstanden gemeinsam mit der in Manchester lebenden Künstlerin bunny hoova.
2026 arbeiten rahel&zooey in ihrer eigenen Studio-Kooperative an ihrem zweiten Album. Ein erster Vorbote daraus erscheint im Spätsommer 2026.
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